Zur Bundestagswahl 2017: Mehr Familie!

 

 

Historisch betrachtet war die Familie lange Zeit Kernzelle unserer Gesellschaft. Fast alle wichtigen gesellschaftlichen Funktionen wurden von der Familie wahrgenommen.

 

In der Familie wurden und werden erstens Kinder geboren und damit die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich die Bevölkerung regeneriert. Eine Regeneration der Bevölkerung ist vor allem deshalb notwendig, weil nur auf diese Weise das Problem der Versorgung derjenigen, welche aus Altersgründen nicht mehr erwerbstätig sein können, sichergestellt ist.

 

An die Geburt der Kinder schloss sich zweitens die Erziehung der Kinder an, vom Erlernen der für das tägliche Leben notwendigen Handgriffe und Verhaltensregeln bis zu den für das berufliche Leben notwendigen Kenntnissen und Fertigkeiten.

 

Die Familie war lange Zeit drittens die wichtigste Wirtschaftseinheit. Während sich die heutige Familie in wirtschaftlicher Hinsicht fast nur noch als Konsumeinheit versteht, wurde im Altertum bis zum Anbruch der Neuzeit fast die gesamte Produktion im Rahmen von Familienbetrieben durchgeführt. Der größte Teil der Produktion galt dem Eigenbedarf, nur für einen kleinen Teil der eigenen Bedürfnisse mussten im Austausch einige Waren, welche nicht selbst produziert werden konnten, aber lebensnotwendig  waren, von außen erworben werden.

 

Für den größten Teil der Menschen galt, dass die Produktion in einem landwirtschaftlichen oder handwerklichen Familienbetrieb stattfand. Die Kinder lösten ihre Eltern in der Führung dieser Produktionsstätten ab, sobald letztere aus Altersgründen nicht mehr in der Lage waren, die Aufgaben der Produktion wahrzunehmen.

 

Gerade der Umstand, dass die Kinder eines Tages die produktiven Aufgaben übernahmen, machte es möglich, dass die Erziehung der Kinder in den Händen der Eltern lag. War der Vater Schreiner, wurde auch der Sohn Schreiner und der Vater war dann auch durchaus in der Lage, seinen Sohn in die für diesen Beruf erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten einzuführen.

 

Der Umstand, dass das Wirtschaftssystem weitgehend stationär war, begünstigte diese Erziehungsmethode. Die Technik blieb weitgehend unverändert, die gleichen Handgriffe, welche die Eltern bei der Produktion anwenden mussten, galten nach wie vor auch für die Kinder und gerade deshalb waren die Eltern die besten beruflichen Lehrmeister.

 

Es oblag weiterhin viertens der Familie, die wirtschaftliche Absicherung der älteren Generation zu garantieren. Das menschliche Leben vollzieht sich seit jeher in einem Kreislauf: In seinen ersten Jahren, in seiner Kindheit ist der Einzelne noch nicht in der Lage, für seinen eigenen Unterhalt zu sorgen, er bedarf der Unterstützung der Erwachsenen.

 

Die im Familienbetrieb erzeugten Produkte mussten jedoch nicht nur für die Produzierenden und ihre Kinder ausreichen. Da die Menschen zumeist schon lange vor ihrem Absterben aus Altersgründen nicht mehr selbst für ihr wirtschaftliches Aufkommen sorgen können, musste die Produktion der Erwachsenen auch für die Versorgung der älteren, nicht mehr arbeitsfähigen Personen ausreichen.

 

Prinzipiell wäre es zwar möglich, dass die Erwachsenen in der Zeit, in der sie produktiv tätig sind, Rücklagen bilden, auf die sie dann im Alter, wenn sie nicht mehr selbst produzieren können, zurückgreifen können. Dieser Weg setzt jedoch einen bestimmten Stand der Technik voraus. So sind die meisten Waren zunächst nicht lagerfähig. Frisches Obst und Gemüse halten nur eine begrenzte Zeit. Es bedarf der Technik der Konservierung, um diese Waren langlebig zu machen, einer Technik also, welche im Mittelalter noch nicht weiter entwickelt war.

 

Im alten klassischen Rom oblag schließlich fünftens dem Familienvater (pater familias) die Gerichtsbarkeit über alle Familienmitglieder einschließlich der zum Familienhaushalt gehörigen Sklaven. War der Familienvater der Überzeugung, dass ein Sklave oder auch ein Familienmitglied seine Pflichten gröblich vernachlässigt hatte, so hatte der Familienvater das Recht, Strafen bis zur Tötung zu verhängen.

 

Im Verlauf der Geschichte hat nun die Familie eine Funktion nach der anderen an die allgemeine Gesellschaft verloren. Die Entwicklung zum Rechtsstaat hat als erstes der Familie (dem Familienvater) die Strafgewalt genommen. Ein Rechtsstaat mit gleichem Recht für alle Bürger und mit einer konsequenten Eindämmung von Gewalttaten lässt sich nur dann verwirklichen, wenn dem Staat das Gewaltmonopol eingeräumt wird.

 

Die Industrialisierung brachte dann eine weitere Funktionsentleerung der Familie mit sich. Viele Familienmitglieder wanderten in die Städte und suchten in den neu aufkommenden Fabriken Arbeit. Damit war es nun nicht mehr selbstverständlich, dass die Kinder den Beruf ihrer Eltern übernahmen. 

 

Damit waren aber auch die Eltern überfordert, die berufliche Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen. Aber selbst in den Fällen, in denen die Kinder den Beruf ihrer Eltern übernahmen, wurde es für die Eltern immer schwieriger, ihren Kindern eine Lehre zu vermitteln, da sich die Technik innerhalb der einzelnen Berufe rasant weiterentwickelte und deshalb neue, den Eltern nicht mehr bekannte Technologien erlernt werden mussten.

 

Das Erlernen des gesamten mit dem Beruf zusammenhängenden Wissens ging auf die allgemeinen Schulen über, angefangen mit den Grundschulen, über die höheren Schulen bis hin zu den Universitäten. Es wurde eine allgemeine Schulpflicht eingeführt und dies bedeutete selbst wiederum, dass auch die Jugendlichen, welche nach wie vor in den elterlichen Betrieben tätig blieben, zunächst – vor Übernahme der betrieblichen Tätigkeit – mehrere Jahre in der Schule zu verbringen hatten.

 

Mit der Abwanderung in die Städte war es nun zusätzlich nicht mehr möglich, das Problem der Altersversorgung im Rahmen der Familie zu lösen. So entstand – in Deutschland unter Bismarck – eine überbetriebliche Altersversicherung. Sie beruhte auf dem Prinzip der Solidarität. Die erwerbstätigen Arbeitnehmer finanzieren mit ihren Beiträgen die heute auszuzahlenden Renten und sie erhalten für diese Leistung den Anspruch, dann, wenn sie selbst aus Altersgründen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, aus den Beiträgen der in Zukunft erwerbstätigen Arbeitnehmer eine Altersrente zu beziehen.

 

Hierbei gibt es keine generelle Lösung in der Frage, wie hoch denn die Renten im Vergleich zum Erwerbseinkommen jeweils sein sollten. Klar war nur, dass auf der einen Seite die Rentenhöhe von der Höhe des jeweiligen Einkommens während der Erwerbszeit abhängen sollte. Es sollte sichergestellt werden, dass ein Arbeitnehmer beim Austritt aus dem Erwerbsleben die Position in der Einkommensstruktur weitgehend beibehalten konnte, welche er in seinem Berufsleben erreicht hatte. Auf der anderen Seite sollte die Rente aber auch höher ausfallen als das Existenzminimum und sollte somit die Sozialhilfe- (Fürsorge-)sätze übersteigen.

 

Diese Begrenzungen beziehen sich nur auf die Verteilung der Renten, nicht aber auf die Frage nach der durchschnittlichen Rentenhöhe. Im Grunde ist es nicht möglich, eindeutig die optimale Höhe einer Rente zu bestimmen.

 

Die durchschnittliche Rentenhöhe kann von der Zielsetzung her variieren, klar ist nur, dass der durchschnittliche Beitrag, den die Erwerbstätigen zu zahlen haben, selbst wiederum davon abhängt, welche durchschnittliche Höhe die Rente erreichen sollte. Je höher die Rente im Durchschnitt ausfällt, um so höher müssen auch die Beitragssätze angesetzt werden, um mit diesen Beiträgen die Finanzierung der Renten sicherzustellen.

 

Und die Beantwortung dieser Frage hängt nun davon ab, welche Vorstellungen die Arbeitnehmer darüber haben, wie ihr Lebenseinkommen auf die Gegenwart und die Zukunft aufgeteilt werden sollte. Gerade weil es in dieser Frage keine allgemein gültige Antwort gibt, sondern ihre Beantwortung von den individuellen Vorstellungen der einzelnen Arbeitnehmer abhängt und es auch in dieser Frage sehr große Unterschiede je nach Neigung und Fähigkeit der einzelnen Arbeitnehmer gibt, sollte eigentlich diese Frage nicht zentral für alle einheitlich geregelt werden.

 

Nur dann, wenn jeder einzelne diese Frage für sich selbst entscheiden kann, ist sichergestellt, dass auch die allgemeine Wohlfahrt so groß wie möglich ist. Dies bedeutet, dass es eigentlich erwünscht wäre, dass generell lediglich eine Mindestrente garantiert wird und es dem Einzelnen durch Abschluss einer zusätzlichen Altersversicherung überlassen wird, wie stark die tatsächliche Rentenhöhe über dieser Mindestrente liegt, wobei es zweitrangig ist, ob diese Zusatzrenten innerhalb oder außerhalb der Sozialversicherung erfolgt.

 

Auch noch in einem weiteren Punkt bestehen beachtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Arbeitnehmern. Es hängt nämlich sowohl von den individuellen Fähigkeiten als auch von den Neigungen ab, ab wann ein Arbeitnehmern aus dem Erwerbsleben ausscheiden möchte. Auch hier bringt eine einheitliche Regelung ein suboptimales Ergebnis, zu groß sind die Unterschiede in dieser Frage bei den einzelnen Arbeitnehmern.

 

Mit der Reform von 1972 wurde nun in der Tat den Arbeitnehmern das Recht eingeräumt, auf Wunsch schon ab dem 63. Lebensjahr (bei Männern), bzw. ab dem 60. Lebensjahr (bei Frauen) eine Altersrente zu beziehen und somit vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Wer dieses Recht in Anspruch nahm, erhielt gegenüber demjenigen, der erst ab dem 65. Lebensjahr aus dem Erwerbsleben ausscheidet, eine etwas reduzierte Rente, da entsprechend der Rentenformel die Zahl der anrechnungsfähigen Versicherungsjahre (t) um ein oder mehrere Jahre zurückgeht.

 

Umgekehrt erhielt ein Arbeitnehmer, der erst ein oder mehrere Jahre nach dem 65. Lebensjahr aus dem Erwerbsleben ausscheidet, einen Rentenzuschlag. Wer aus dem Erwerbsleben vorzeitig ausscheidet, darf allerdings nur in einem begrenzten Maße zur Rente zusätzliches Einkommen hinzuerwerben.

 

Hieraus ergibt sich folgende Problematik: Zwar ist aus den oben genannten Gründen die Erhöhung des Freiheitsgrades  grundsätzlich positiv zu beurteilen, da wie gezeigt Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft im Alter sehr verschieden sind; deshalb bringt eine Flexibilisierung Wohlfahrtsgewinne (allokative Wirkung) mit sich.

 

Diejenigen, die von der flexiblen Altersgrenze Gebrauch machen, erhalten allerdings geringere Rentenabschläge, als sie der Rentenversicherung durch ihr vorzeitiges Ausscheiden an Kosten verursachen. Wer ein Jahr vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheidet, verursacht nämlich der Versicherung in zweifacher Weise zusätzliche Kosten:

 

Auf der einen Seite gehen die Beitragseinnahmen zurück, da der Versicherte ein Jahr lang weniger Beiträge zahlt; auf der anderen Seite hat die Versicherung zusätzliche Ausgaben, da für diesen Versicherten ein Jahr länger Rente gezahlt werden muss (gleich bleibendes Lebensalter vorausgesetzt). Allerdings wird langfristig dieser Ausgabenzuwachs in geringem Maße dadurch kompensiert, dass die Höhe der Rente - wie gezeigt - für die gesamte Rentenzeit geringfügig reduziert wird.

 

Eine Freigabe des Austritts aus dem Erwerbsleben wäre also erwünscht, allerdings sollte derjenige, welcher vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheidet, auch die vollen Kosten übernehmen, welche der Gesellschaft durch diesen Schritt entstehen. Nur in den Fällen, in denen ein Arbeitnehmer aus Gesundheitsgründen seine Erwerbstätigkeit vorzeitig beenden muss, ist eine teilweise Übernahme der hierdurch entstehenden Kosten durch die Gemeinschaft gerechtfertigt.

 

Für die Zukunft (etwa für das Jahr 2030) würde ohne grundlegende Reformmaßnahmen eine Finanzkrise großen Ausmaßes drohen. Ursache ist der Pillenknick seit den 60er Jahren sowie eine höhere Lebenserwartung (circa 10 Jahre) seit der Nachkriegszeit. Die Ursache für diese Krisen besteht somit in erster Linie in der Verschlechterung der Altersstruktur, die in den 70er Jahren noch durch Kriegsfolgewirkungen bedingt war, seit dem Jahre 2000 hingegen mit dem Geburtenrückgang ab der 60er Jahre sowie der höheren Lebensdauer zusammenhängt.

 

Die Belastungsquote: Anzahl der Rentner bezogen auf einen erwerbstätigen Arbeitnehmer (R/A) betrug 1958 noch 34,7%, stieg 1975 auf 55,3% an und würde für das Jahr 2030 wenn bis dahin keine Korrekturmaßnahmen erfolgt wären, auf 70% geschätzt. Dies bedeutet, dass ein Arbeitnehmer im Durchschnitt mit seinen Beiträgen zur Altersversicherung mehr als 2/3 die Rente eines Rentners übernehmen müsste.

 

Für die Belastungsquote (Zahl der Beitrag zahlenden Arbeitnehmer zu Zahl der Rentner) ist allerdings nicht nur die Stärke der einzelnen Jahrgänge von Bedeutung, sondern darüber hinaus auch die Frage, ab welchem Jahr die Arbeitnehmer im Durchschnitt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die Belastungsquote wird umso ungünstiger, je mehr Arbeitnehmer von der flexiblen Altersgrenze in dem Sinne Gebrauch machen, dass sie vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

 

Die Große Koalition hatte aus diesen Gründen im Jahre 2007 eine stufenweise Heraufsetzung des Alters der Verrentung auf 67 Jahre beschlossen, wobei erstmals diejenigen Rentenversicherungspflichtigen erst ab 67 Jahren im Normalfall eine Rente beziehen können, welche nach dem 1. 1. 1964 geboren sind.

 

Für Versicherungspflichtige, welche vor dem 1. 1. 1947 geboren sind, blieb es bei der bisherigen Altersgrenze. Für die übrigen Versicherungspflichtigen erhöhte sich je nach Geburtsjahr die Altersgrenze stufenweise um ein bzw. zwei Monate pro Jahr.

 

In der Zwischenzeit wurden diese Maßnahmen teilweise dadurch verwässert, dass man denjenigen Arbeitnehmern, welche 45 Jahre lang einer versicherungspflichtigen Arbeit nachgegangen sind, auch eine vorzeitige Verrentung mit voller Rentenhöhe ermöglicht hat.

 

Weitere Rücknahmen dieser Regelungen versprechen nun einige Parteien dadurch, dass sie per Gesetz ein weiteres Absinken des Rentenniveaus oder sogar eine Anhebung versprechen und gleichzeitig aber ausschließen, dass das Austrittsalter aus dem Erwerbsleben angehoben wird.

 

Diese Versprechungen sind zunächst einmal politisch sehr unglücklich. Die Heraufsetzung der Altersgrenze war eine notwendige, allerdings sehr unpopuläre Maßnahme, um zu verhindern, dass in Zukunft (etwa ab 2030) entweder die Beitragssätze unangemessen erhöht und/oder die Renten unangemessen reduziert werden müssen. Solche Schritte sollte man nicht zurücknehmen, solange die katastrophale Entwicklung in der Bevölkerungsstruktur anhält. Man sollte froh sein, dass man nicht selbst in Zukunft unpopuläre Maßnahmen durchführen muss.

 

Ein finanzielles Gleichgewicht der Altersvorsorge kann bei Einfrieren sowohl des Austrittsalters aus der Erwerbsfähigkeit als auch des Rentenniveaus bei weiterer demographisch bedingter Verschlechterung des Altersquotienten nur dadurch erreicht werden, dass der Beitragssatz drastisch erhöht wird.

 

Diese Konsequenzen können auch nicht dadurch vermieden werden, dass man die Altersrenten durch ein Ansteigen des Staatszuschusses zu finanzieren versucht. Es ist im Grunde genommen gleichgültig, ob die erwerbstätige Arbeitnehmerschaft ihren Beitrag in Form von Beiträgen zur Rentenversicherung oder in Form von erhöhten Steuersätzen zu entrichten hat.

 

Gesamtwirtschaftlich gesehen müssen in jedem Falle die heute lebenden Erwerbstätigen die Finanzierung der Renteneinkommen übernehmen, es ist reine Augenwischerei, wenn man versucht, diesen Beitrag dadurch zu verschleiern, dass  man die Finanzierung der Renten stärker als bisher durch das Steueraufkommen durchführt.

 

Auch größere Umverteilungsmaßnahmen sind nicht in der Lage, dieses Finanzierungsproblem sachgerecht zu lösen. Man kann zwar die Lage derjenigen Personen, welche noch nicht einmal im Alter das Existenzminimum erreichen würden, dadurch verbessern, dass man für diese relativ kleine Gruppe eine Mindestrente vorsieht. Es ist aber nicht möglich, die gesamte Arbeitnehmerschaft durch gesetzliche Vorgaben besser zu stellen.

 

Die Lage der Arbeitnehmerschaft insgesamt kann nur dadurch nachhaltig verbessert werden, dass man auf der einen Seite die eigentlichen Ursachen der Verschlechterung in der Altersstruktur beseitigt und – soweit dies nicht möglich ist – dass man auf der anderen Seite ein vernünftiges Verhältnis zwischen Erhöhung der Beitragsätze, Verminderung des Rentenniveaus sowie Ausweitung der Erwerbszeit festlegt.

 

Auch der Versuch, die Finanzierung der Rentenversicherung durch eine viel stärkere Besteuerung der Reichen sicherzustellen, führt zu keiner Lösung der Probleme. Auf der einen Seite führt eine starke Nivellierung in den Einkommen und Vermögen zu Wachstumsverlusten, die selbst wiederum gerade die Empfänger geringeren Einkommens belastet (so verringert sich bei Wachstumsverlusten auch das Steueraufkommen, mit deren Hilfe die Ärmeren entlastet werden sollen).

 

Auf der anderen Seite werden auch die Reicheren den Versuch unternehmen, diese Mehrbelastung zu umgehen oder zu kompensieren, in dem sie die Produktion in andere Länder verlagern, ihr Kapital in Ländern mit einer geringeren Kapitalbesteuerung anlegen oder insgesamt in andere Länder abwandern.

 

Einseitige Korrekturen zugunsten der Arbeitnehmer, welche in der Gegenwart aus dem Erwerbsleben austreten, bringen noch einen weiteren Nachteil mit sich. An und für sich wirken sich Korrekturen an der Versicherungsordnung auf alle gleichmäßig aus, da jeder einmal Beitragszahler war und fast jeder in Zukunft einmal Rentner sein wird.

 

Trotzdem kann eine Begünstigung der heutigen Rentner zur Folge haben, dass auf der einen Seite die Belastung der heutigen Erwerbstätigen ansteigt, gleichzeitig aber die heute beschlossenen Verbesserungen in den Renten wegen einer Verschlechterung der Altersstruktur in der Zukunft wieder zurückgenommen werden müssen. In diesem Falle werden die heutigen jungen Generationen eindeutig benachteiligt, ihre Beiträge steigen an, ohne dass sie in den Genuss einer höheren Rente gelangen werden. Die heutigen Rentner erhalten hingegen eine etwas höhere Rente ohne dass sie in der Vergangenheit einen dieser Rentenhöhe entsprechenden Beitragsatz gezahlt haben.

 

Eine weitere Funktionsentleerung der Familie ergab sich im Zusammenhang mit der Emanzipationsbewegung für Frauen.  Nicht die Emanzipationsbewegung als solche, aber doch die Art und Weise, wie die Emanzipationsbewegung durchgeführt wurde, hatte zur Folge, dass nun im Prinzip die Frauen genauso erwerbstätig wurden wie die Männer, mit der Folge, dass die Erziehung der Kinder in den ersten Jahren nun nicht mehr mit der gleichen Intensität innerhalb der Familie erfolgen konnte und mit der weiteren Folge, dass nun diese erzieherische Arbeit etwas verzögert auf gesellschaftliche Institutionen wie z. B. Kindertagesstätten verlagert wurde.

 

Diese Verlagerung brachte nun im Zusammenhang mit der Erziehung der Kleinkinder Probleme mit sich und hat – sicherlich neben vielen anderen Gründen – mit dazu beigetragen, dass bei den Jugendlichen ein zunehmender Verlust der Sitten zu beobachten ist.

 

In den Schulen breitet sich pure Gewalt in einem bisher nicht bekannten Umfang aus, von dem Lehrer wie Mitschüler betroffen sind. Ein sehr großer Teil der Schüler weist daraufhin, dass er bereits mindestens einmal einem Mobbingversuch ausgesetzt war. Gleichermaßen richten sich diese menschenverachtenden Verhaltensweisen gegen die Lehrer, welche ihre Aufmerksamkeit immer weniger ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich der Vermittlung von Wissen, widmen können.

 

Auch ist die Anfälligkeit vieler Jugendlicher gegenüber radikalen und terroristischen Ideen in starkem Maße gestiegen, wobei auffällt, dass von diesem Virus auch und gerade Jugendliche aus sogenanntem ‚guten Elternhaus‘ befallen sind.

 

Es wäre sehr wohl möglich gewesen, dass sich die Emanzipation auch ganz anders vollzogen hätte und dass dann diese negativen Begleiterscheinungen in etwas geringerem Maße eingetreten wären. De facto hat gerade die moderne Entwicklung im Zusammenhang mit dem Computer und dem Internet weitere Möglichkeiten geschaffen, eine Gleichberechtigung von Mann und Frau im Erwerbsleben zu ermöglichen.

 

Eine erste andere Möglichkeit hätte darin bestanden, dass nach wie vor in der Regel jeweils nur ein Mitglied eines privaten Haushaltes eine erwerbswirtschaftliche Tätigkeit aufnimmt, wobei das jeweils andere Mitglied dann sich den Aufgaben im privaten Haushalt zuwendet. Gegenüber früher hätte sich dann nur geändert, dass nicht von vornherein feststeht, dass es immer der Mann sein muss, der die erwerbswirtschaftliche Tätigkeit aufnimmt und die Frau, welche immer ihre Berufung in den häuslichen Aufgaben (vor allem Kindererziehung) findet.

 

Die Emanzipation wäre dann dadurch verwirklicht worden, dass jedes Ehepaar für sich frei entscheidet, wer aufgrund seiner Veranlagung besser für die erwerbstätige Funktion bzw. für die Aufgaben innerhalb der Familie geeignet erscheint.

 

Die Fähigkeiten und Neigungen sind sowohl bei Männern wie Frauen sehr breit gestreut und dies bedeutet, das selbst dann, wenn man nachweisen könnte, dass im Durchschnitt Frauen mehr Begabungen für den Umgang mit Kleinkindern aufweisen würden, dann immer noch im konkreten Einzelfall diese Aufgabe sehr viel besser von einem Mann wahrgenommen werden könnte.

 

Allerdings war diese Entscheidung in der Vergangenheit wesentlich dadurch erschwert, dass sowohl bei Männern wie bei Frauen im Hinblick auf die Tätigkeit im Haushalt Vorurteile bestehen, die viele daran hindert, eine rational begründete, also an den individuellen Fähigkeiten und Neigungen ausgerichtete Entscheidung für oder gegen eine Hausarbeit zu fällen.

 

Nach wie vor werden Männer, welche sich für die Hausarbeit entschieden haben, von ihren Geschlechtsgenossen als Hausmänner belächelt und als weibisch verhöhnt, in gleicher Weise wie auch Frauen, welche sich nach wie für den Haushalt und die Erziehung ihrer Kinder entschieden haben, von der Avantgarde der Emanzipationsbewegung fast wie Verräter an der gemeinsamen Sache angesehen und als Hausmütterchen lächerlich gemacht werden.

 

In Wirklichkeit ist jedoch gerade die Früherziehung der Kleinkinder eines der wichtigsten und wertvollsten gesellschaftlichen Aufgaben überhaupt und sollte deshalb mindestens einen gleich hohen Stellenwert wie die berufliche Arbeit genießen.

 

Eine zweite Möglichkeit, eine Emanzipation durchzusetzen, hätte auch darin bestehen können, dass beide Eheleute (Mann wie Frau) einen Teil ihrer Zeit erwerbstätig und den anderen Teil im privaten Haushalt verbringen.

 

So könnte z. B. der eine Ehepartner vormittags, der andere nachmittags einer erwerbswirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen oder aber beide Ehepartner üben für eine gewisse längere Zeit (z. B. drei  bis fünf Jahren) ihre Erwerbstätigkeit aus, um darauf wiederum einige Jahre ihre Erwerbstätigkeit auszusetzen, um sich in dieser Zeit vorrangig den hauswirtschaftlichen Aktivitäten zu widmen.

 

In diesem Zusammenhang wird oftmals eingewandt, dass eine solche Arbeitsteilung vor allem für diejenigen nicht möglich sei, welche eine Führungsposition einnehmen. Wenn eine Führungskraft für längere Zeit die Organisation, in der sie tätig ist, verlassen habe, dann sei sie endgültig abgeschrieben und sei gegenüber den Führungskräften, welche im Betrieb auf Dauer blieben, hoffnungslos unterlegen.

 

Diese Einwände übersehen, dass gerade die modernen Techniken, welche uns heutzutage Computer, IPhones und Internet zur Verfügung stellen, es durchaus möglich machen, dass auch Führungskräfte während ihrer betrieblichen Abwesenheit sehr wohl mit der Unternehmungsleitung kommunizieren und sogar wichtige Entscheidungen mittragen können.

 

Wenn bisher Führungskräfte für einige Jahre in einen ausländischen Zweigbetrieb entsandt werden konnten, ohne dass dies ihrer Stellung im Weltkonzern geschadet hat - in Wirklichkeit hat sie genützt -, sollte aufgrund der neuen Kommunikationsmedien eine regelmäßige Unterbrechung der Erwerbsarbeit aufgrund vorübergehender zeitlich begrenzter häuslicher Tätigkeit keine ernsthaften Behinderungen mit sich bringen.

 

Drittens schließlich gibt es im unteren Beschäftigungsfeld immer mehr Arbeitsplätze, bei denen die Arbeit sehr wohl auch im Haushalt des Arbeitnehmers durchgeführt werden kann. Hier kann also derjenige Elternteil, welcher zwar beruflich arbeitet, aber seine Tätigkeiten zuhause verrichtet, zur Not auch die Kinder beaufsichtigen.

 

Selbstverständlich bedarf es zur Durchsetzung dieser technischen Möglichkeiten auch einen gesetzgeberischen Rahmen, der auch sicherstellt, dass denjenigen, welche diese alternativen Möglichkeiten beschreiten wollen, überhaupt solche Stellen angeboten werden und dass ihnen hieraus keine Nachteile erwachsen.

 

Wir hatten weiter oben gesehen, dass aufgrund des Umstandes, dass Kinder immer weniger später im eigenen Familienbetrieb arbeiten und dass sich darüber hinaus auch die Technik rasant verändert, die Eltern überfordert wären, nach wie vor – wie im Altertum und Mittelalter – die berufliche Erziehung ihrer Kinder selbst übernehmen würden.

 

Dieser eindeutige Vorteil einer außerhäuslichen Erziehung im Zusammenhang mit der beruflichen Erziehung gilt allerdings nicht mehr für  die frühkindliche Erziehung. Diese bedarf nämlich gewissermaßen der Einzel- und nicht der Massenverrichtung.

 

Es geht hier vor allem darum, die allerersten Grundlagen dafür zu legen, dass darauf aufbauend später sowohl eine weitere berufliche Erziehung sowie die Unterordnung unter die für unser gesamtes gesellschaftliche Leben notwendigen Verhaltensregeln überhaupt ermöglicht wird.

 

So gilt es erstens im Kleinkind ein Urvertrauen zu erzeugen, ohne das der Einzelne sich später in der Gesellschaft nicht zurecht finden kann. Zweitens gilt es die natürliche Neugier des Kleinkindes dadurch zu fördern, dass diese kindlichen Verhaltensweisen gefördert und keinesfalls blockiert werden.

 

Wir haben davon auszugehen, dass diese elterlichen Verhaltensregeln eine wesentliche Voraussetzung dafür bilden, dass die Jugendlichen später überhaupt bereit sind, die mit dem Erlernen von Wissen verbundenen Mühen auf sich zunehmen. Ähnliches dürfte aber auch für das Erlernen der Verhaltensregeln gelten.

 

Nun könnte man zunächst vermuten, dass eine Erziehung in diesen Fragen in Kindertagesstätten sehr viel sachgerechter erfolgen könnte als in der Familie. Wird doch die Erziehung in den Kindertagesstätten von hierfür geeignetem Personal durchgeführt, also mit einem Wissen, über das in aller Regel die Eltern nicht verfügen können. Warum soll hier nicht auch der allgemeine Grundsatz gelten, dass ein arbeitsteiliges Vorgehen durch Spezialisierung insgesamt vorteilhaft ist?

 

Dass die Familie in der Früherziehung von Kindern einer außerhäuslichen Erziehung trotzdem zumeist überlegen ist, hat mehrere Gründe. Gerade in dieser Phase kann noch nicht erwartet werden, dass die Mühen, welche die Erziehung im frühkindlichen Alter mit sich bringt, durch die mit der Erziehung verbundenen Freuden aufgewogen werden.

 

Im Allgemeinen kann man erwarten, dass diese Bereitschaft zur Übernahme zahlreicher Mühen ohne eine sofortige Belohnung zu erfahren, von den eigenen Eltern aufgrund ihrer Blutsverwandtschaft zu ihren Kindern eher erwartet werden kann als von Fachkräften.

 

Des Weiteren ist es natürlich sehr viel einfacher und damit auch wahrscheinlicher, dass diese Bereitschaft zur Übernahme außerordentlicher Mühen im Rahmen einer kleinen Familie mit wenigen Kindern eher vorhanden ist als gegenüber einer wesentlich größeren Zahl, welche in fast allen Kindertagesstätten erwartet werden muss.

 

In einer Kleinfamilie ist die Gefahr, dass einige Kinder bevorzugt und andere vernachlässigt werden, auch sehr geringer als in der größeren Gruppe einer Kindertagesstätte.

 

Natürlich muss immer damit gerechnet werden, dass ein kleiner Teil der Erzieher – gleichgültig ob es sich hierbei um Eltern oder Fachpersonal handelt – seiner Aufgabe nicht gewachsen ist oder wegen einer amoralischen Haltung seine Pflichten verletzt. Aber selbst hier weist die Familienlösung einen Vorteil auf.

 

Wenn nämlich einige Eltern ihren Pflichten gegenüber ihren Kindern nicht nachkommen, so sind nur die Kinder eben dieser Eltern gefährdet. Der relativ kleinen Zahl betroffener Kinder steht dann die weitaus größere Zahl der intakten Familien gegenüber, in denen die Kinder nicht gefährdet sind.

 

Versagt jedoch das Fachpersonal, das eine Kindertagesstätte leitet, so treten die Gefahren im Prinzip für alle Kinder auf, welche sich in diesen Stätten aufhalten. Somit ist dort die Gefahr eines Versagens auch wesentlich größer.

 

Schließlich muss auch erwähnt werden, dass im Allgemeinen die Rolle informeller Gruppen bei der Beurteilung dieser Aufgaben übersehen wird. Überall dort, wo Menschen einen Großteil des Tages gemeinsam in Gruppen verbringen, entstehen neben den offiziellen Ordnungen auch informelle Gruppierungen mit anderen Führungskräften und anderen Verhaltensregeln.

 

Während im Rahmen der formellen Ordnungen die Ziele dieser Einrichtung eindeutig festgelegt sind und ein Anreizsystem auch dafür Sorge trägt, dass sich das Führungspersonal im eigenen Interesse (beruflich weiter zu kommen) im Allgemeinen an die Verhaltensnormen hält, fehlt es in den informellen Gruppierungen an solchen eindeutigen Spielregeln.

 

Das informelle System begünstigt diejenigen, welche physisch stärker sind. Der Umstand, dass der Aufenthalt im formellen Bereich für jeden Einzelnen mit Verzicht verbunden ist, bringt nun die Gefahr mit sich, dass sich diese Frustrationen in den Zeiten, in denen sich das Aufsichtspersonal nicht den einzelnen Kindern widmen kann, gegen die jeweils Schwächeren richten.

 

Die Frustration wurde zwar durch die offiziellen Führungskräfte hervorgerufen, da aber die informellen Anführer zumeist zu schwach sind, um sich mit Erfolg gegen das offizielle Aufsichtspersonal zu richten, wendet sich die Wut dann oftmals gegen die Schwächsten aus der Gruppe. Auch überwiegt in informellen Gruppen jeweils derjenige, der sich in geringerem Maße moralischen Regeln verpflichtet fühlt.

 

Welche politischen Schlussfolgerungen lassen sich aus diesen Überlegungen ziehen?

 

Die fortschreitende geschichtliche Entleerung der Funktionen der Familie brachte nur zum Teil Vorteile. Zwar lässt sich z. B. die berufliche Erziehung unter den Bedingungen einer industrialisierten Gesellschaft mit dem besten Willen nicht mehr im Rahmen der Familie verwirklichen. Andererseits wäre die Erziehung gerade der Kleinkinder eher bei den Eltern am besten aufgehoben.

 

Auch hat sich gezeigt, dass die Geburtenrate in Folge dieser Funktionsentleerung so stark zurückgegangen ist, dass die Reproduktion nicht mehr garantiert ist und dass auf diese Weise die Altersversorgung gefährdet ist.

 

Zwar ist es an und für sich möglich, dass diese Defizite durch eine verstärkte Immigration behoben werden. Diese bringt jedoch selbst wiederum erhebliche Schwierigkeiten mit sich, sodass eine voll befriedigende Integration nur gelingen kann, wenn innerhalb eines Jahres immer nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung zu integrieren ist.

 

Es wäre also durchaus erwünscht, dass den Familien in Zukunft wiederum mehr Funktionen übertragen würden. Auch in dieser Frage könnte die Politik dem Subsidiaritätsprinzip folgen. Nur solche Aufgaben, in denen die Familie überfordert wird, sollten auch außerfamiliär geregelt werden.

 

Hierbei geht es nicht darum, dass bei der Frage, ob beide Elternteile berufstätig sein sollen, das Rad zurückgedreht wird und nun in jeder Familie wiederum der eine Teil allein im privaten Haushalt tätig ist, sondern dass jeder Familie das Recht eingeräumt wird, diese Frage nach Fähigkeit und Neigung der Einzelnen zu entscheiden und dass von Seiten des Staates sichergestellt wird, dass sich eine Familie nicht schlechter stellt, wenn sie sich dafür entscheidet, dass einer der Ehepartner im Haushalt tätig ist.

 

Auch wäre es erwünscht, dass die Frage der Altersversorgung in viel stärkerem Maße als bisher in wesentlichen Fragen von den einzelnen Familien selbst entschieden wird. Sowohl in der Frage der Aufteilung des Lebenseinkommens auf die Erwerbszeit und Rentnerzeit als auch in der weiteren Frage, wann der Einzelne ins Erwerbsleben eintritt und wann er wiederum die Erwerbstätigkeit beendet, sind Neigung und Fähigkeiten der Einzelnen sehr unterschiedlich, es gibt keinen überzeugenden Grund, dass diese Fragen einheitlich für alle geregelt werden, die einzelnen Familien könnten eine wesentlich höhere Wohlfahrt erreichen, wenn diese Fragen von jedem Einzelnen entschieden werden könnten.

 

Die Aufgabe des Staates in diesem Zusammenhange sollte sich auf die Frage beschränken, sicherzustellen, dass Jeder eine Mindestsicherung erfährt und dass keinem Bürger daraus finanzielle Nachteile entstehen, wenn er sich anders als die Mehrheit entscheidet.

 

Dies bedeutet z. B. auch, dass ein freiwillig gewähltes vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben nicht auf Kosten der Versicherungsgemeinschaft gehen darf. Entscheidet sich ein Erwerbstätiger dafür, ein Jahr vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, so belastet er – wie bereits erwähnt – die Versichertengemeinschaft auf doppelte Weise: Auf der einen Seite erhält die Versicherungsgemeinschaft für ein Jahr weniger Beiträge, auf der anderen Seite muss jedoch die Versichertengemeinschaft diesem Mitglied für ein Jahr länger eine Rente auszahlen.

 

Diese Lasten sollte derjenige tragen, der diese Entscheidung freiwillig trifft. Nur in den Fällen, in denen Jemand aus Gesundheitsgründen vorzeitig die Erwerbstätigkeit aufgeben muss, ist eine teilweise Übernahme der hiermit verbundenen Kosten gerechtfertigt.